Gebet für die Woche

Gott, an vielen Orten beginnen heute wieder die Gottesdienste. Menschen kommen das erste Mal seit Wochen in Kirchen zusammen. Sie werden miteinander beten, miteinander auf Texte hören und kurzen Predigten folgen. Kurze Predigten?  Weil man sich nur langsam wieder an den Predigtton gewöhnen muss? Oder weil zu lange Gottesdienste größere Gefahren darstellen sich anzustecken als kurze, knappe Andachten? Und deshalb, weil man sich anstecken kann, müssen diese Menschen Abstand halten. Komisch. Ansteckende Gottesdienste habe ich mir immer ganz anders vorgestellt.  Ansteckung im Glauben, das hätte ich mir gewünscht. Alleine sitzen müssen, um besser den Texten folgen zu können, asketisch wie ein Mönch der Predigt lauschen, mich hineinnehmen lassen in die Gedanken, Gott – ich rede mit dir – ich will dich suchen und dich finden.

Abstand halten. Überall in den Kirchen wird das zu lesen sein. Von wem? Von dir Gott? Von meinem Nebenmann, der, wenn ich das richtig weiß, ja eines deiner Ebenbilder ist. Also rücke ich auch ein Stück weit weg von dir? Ist es nicht so?

Sollten unsere Gottesdienste denn nicht was ganz anderes sein? Als Orte um Abstand zu halten?

Und jetzt? Wie kommen wir weg von diesem Dilemma? Vielleicht nur mit dem einen Gedanken, und der lautet,  dass du Gott nicht in einer Kirche wohnst, ich nicht zu dir kommen muss, sondern du schon immer bei mir, in meinem Herzen bist, ganz gleich wo ich sitze oder gehe. Dass mein Lied unter der Dusche, das ich für dich anstimme genauso zu dir emporsteigt, wie jenes aus den alten Hallen.

Amen

Podcast der Gemeinden Gießen Ost „zusammenkirchesein

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